D&G Style of Seebach
Text: Pino Loricato
Datum: 06.03.2007 Aufrufe: 5913 Verschickt: 0
Die beiden Stilisten Dolce und Gabbana sind nicht nur über alle Massen arrogant, sondern obendrein auch noch schlau. Mit ihrem neusten Werbeplakat thematisieren sie die Gruppenvergewaltigung von Seebach schon fast nach Bernie's Motto "Man kann nie gut genug aussehen... egal was man tut" und erreichen damit einen Skandal. Lernen Sie mit Lismal den Unterschied zwischen Kunst und Werbung kennen.
Die neueste Form von Werbung ist der Skandal. Die schönsten Models, Plakate, Werbungen, Product Placement nützen nichts, wenn man nicht auch noch einen Skandal hat. Paris Hilton machts vor. Sie kann nichts, und nicht mal das kann sie richtig, doch die ganze Welt kennt sie und kauft Produkte, wo ihr Name drauf steht.
Mit einem Skandal löst man Kontroversen aus, es wird diskutiert, Emotionen werden geweckt und die Menschen beziehen Position. Für oder gegen D&G? Sie merken auch, dass diese Frage, die sich jeder einzelne Mensch stellt, alle anderen Labels ausklammert.
Die warmen Brüder D. und G. haben Spanien als rückständig bezeichnet und erklären ihr Werbeplakat zur Kunst.
Kunst Ob das Plakat mit der hochstilisierten Gruppenvergewaltigung nun Kunst ist oder nicht, entscheidet immer der Betrachter. Stellt man das Foto im Weltformat im Kunsthaus aus, ist es Kunst. Da kann man es ansehen und sagen: "Klar, eindeutig zweideutig, Gruppenvergewaltigung, hochstilisiert, mit all den zeitgenössischen, modischen Stilelementen möchte uns das Bild etwas mitteilen, das der Betrachter selber interpretieren darf."
Werbung Ist dieses "Kunstfoto" allerdings mit Dolce & Gabbana überschrieben und hängt überall im öffentlichen Raum, so sind die Betrachter Frauen und Kinder, Greise, junge Männer und Mädchen, die der Mode nacheifern. Klassische Werbung will eigentlich nur, dass man auf das Produkt aufmerksam wird und es im Laden kaufen geht. Da aber in der heutigen Werbung mehr als nur ein Produkt, nämlich auch ein Lifestyle verkauft wird, muss man sich auch nach den dargestellten Verhaltensweisen fragen. Es ist nicht wie bei Fernsehprogrammen, die Gewalt und Perversion zeigen, denn die kann man frei wählen. Werbeplakate im öffentlichen Raum sind Standbilder, die täglich mit den Menschen kommunizieren. Ihre Akzeptanz wiederspiegelt auch ein bisschen die Geisteshaltung der Gesellschaft.
Dass ein Werbeplakat nicht gleich Kunst ist, das wissen die beiden Modegiganten D. und G. ganz bestimmt. Sie stellen sich einfach dumm, um nicht offen zugeben zu müssen, dass sie einen Skandal beabsichtigten.
Kulturelle Unterschiede Das Plakat wäre in der Türkei unmöglich auszuhängen wegen den nackten Beinen der Frau. Bei uns gibt es andere Gründe. Wenn Sie bei uns in der Schweiz einen Mann sehen, der eine Frau an den Handgelenken zu Boden drückt und seine Kollegen um sich ringt die dabei zuschauen, dann machen Sie eine Ladebewegung. Oder irgendetwas, Sie schauen sicher nicht einfach zu und sollte es denn so sein, geht unsere Gesellschaft den Seebach runter.
Ausblick In Zukunft werden wir immer mehr mit Skandalen in den Medien konfrontiert, bis wir so abgebrüht sein werden, dass uns auch diese nicht mehr interessieren. Was kommt dann als nächstes?
Leute, die D&G tragen sind keine schlechten Menschen, sondern ganz einfach Markenfetischisten. Sie können eigentlich gar nichts dafür. So ist es auch mit anderen grossen Labels. Man sollte sich beim Kaufen der Kleider mal darauf achten, ob die Kleider auch gut aussehen ohne Marke. Denn wer weiss, ob die warmen Brüder Ihrer Jacke oder Hose nicht auch plötzlich Inhalte vermitteln (Krieg ist lässig, Walfischfang ist hip, Beschneidung von Mädchen sexy, Gruppenvergewaltigung mit Stil) zu denen Sie nicht stehen können? Die Kleider von D&G sehen nämlich gar nicht so gut aus.