Die Salzgrüsel sind unterwegs
Text: Hukbald Klötzli
Datum: 10.03.2006 Aufrufe: 2729 Verschickt: 1
Der Winter bringt es mit sich, dass es schneit; zumindest manchmal. An vielen Orten wird das auch toleriert, soll er ruhig schneien, der Winter. Das kann ja ganz schön sein und sogar Wintersportler anlocken, die viel Geld mitbringen. Aber nicht in der Stadt. Hier bringt der Schnee keine Wintersportler mit viel Geld.
Schnee in der Stadt In der Stadt werden Menschen nervös wenn es ausgerechnet an dem Tag schneit, an dem dieses superwichtige Meeting stattfindet. Und es schneit immer an dem Tag. Deshalb fährt die Stadt eine regelrechte Schneeinquisitorarmada von
Salzgrüseln auf. Salzgrüsel das sind die grossen orangen Maschinen, die Salz streuen um den Schnee zu vermatschen.
Der schöne Schnee Dabei hat der Schnee auch in der Stadt seine guten Seiten. So würde kein Leuchtröhrenkünstler auch nur annähernd ein solches Feuerwerk von Lichtkunst in die Stadt zaubern können wie der Schnee. Alles wirkt viel heller und sogar in den grauesten Gassen tanzen atemberaubende Glitzerspiele. Nicht auszudenken, wenn der Schnee schwarz wäre.
Der verräterische Schmutz Weiss ist dafür anfällig auf Schmutzflecken. Was aber auch wieder von Vorteil ist. Endlich sieht man, was man den ganzen Sommer hindurch gern gewusst hätte: Wo überall die Hunde hinpissen. An jeder Ecke hat es gelbe Flecken. Deshalb zeichnen sie sich am besten auf einer Zürikarte ein, welche Orte besonders gern als Pissoir hinhalten müssen. Das ist zwar aufwändig, dafür fühlen sie sich im Sommer sicher und können die Kollegen auslachen, die sich gerade in einen Hotspot gesetzt haben oder ein 1a-Hundepissoir als Essensablage benutzen.
Der Schöne und das Biest Schnee hat also durchaus nur gute Seiten (ausser natürlich, sie müssen an ein verdammtes Meeting). Man kann in Zürich nicht nur auf der Limmat surfen, sondern auch in den Strassen snowboarden. Aber Zürich will nur das Geld der Sommersportler, deshalb wird der Schnee von den Salzgrüseln in grässlichen grauen Matsch verwandelt, der sämtliches Schuhwerk durchnässt und kein Deut besseren Halt gewährt. Stattdessen hinterlässt er noch hässliche
Salzränder .
Was hat Salz auf der Strasse verloren? Lismal stellt sich deswegen klar gegen die missbräuchliche Verwendung von Streuwürze zur Schneevermatschung. Salz gehört in den Teller und nicht auf die Strasse. Schaufeln tuts auch. Ich jedenfalls will keine angematschten Hosen und durchnässte, verkrustete Schuhe. Ich will auch nicht knöcheltief durch den dreckvergrauten Pflotsch waten. Würzige Trottoirs können mir gestohlen bleiben. Aber ich muss ja auch nicht an dieses verdammte Meeting.