Zurück zum Anfang
Werbung
Lisbola - In/Out
Pfui, weg damit: Free TV.
Du sollst nicht abschreiben
Text: Jürgen Brandstifter Datum: 10.11.2005 Aufrufe: 8423 Verschickt: 4

Kennen Sie die Programmzeitung "Free TV", die neuerdings in Zürichs alten Metropol-Kästen aufliegt? Haben Sie sich schon mal gefragt, wer hinter dem ganzen Müll steht und all die Artikel schreibt? Medienexperte Brandstifter hat sich für Sie mit diesen Fragen beschäftigt und Skandalöses entdeckt.

Nun, woher die Zeitung stammt lässt sich unschwer erahnen. Nicht umsonst ist auf der Rückseite jeweils eine Werbung für den TV-Sender U1 und im Fernsehprogramm ebendieser Sender an dritter Stelle. Ich weiss jetzt nicht, ob Sie den Sender U1 kennen, schauen sie am besten mal bei den Programmplätzen über 50 nach, irgendwo ist er. Man erkennt ihn leicht am, sagen wir mal "Charme" von Amateuraufnahmen.
Jedenfalls haben sich die Verantwortlichen des Supersenders U1 darüber geärgert, dass in den ganzen Fernsehprogrammen der Zeitungen ihr Sender entweder erst an letzter Stelle oder aber gar nicht erscheint. Und während wir uns noch fragen, warum das wohl so ist, sind die kreativen Köpfe bei U1 schon ein, zwei Schritte weiter. Die haben sich nämlich gedacht, wenn die anderen Programmzeitschriften uns ignorieren, dann machen wir eben einfach unsere eigene Zeitschrift.

So macht man eine Programzeitschrift
Das ist nämlich ganz einfach. Die Programminformationen kriegt man ja umsonst zugeschickt. Und damit die Zeitung dann mehr als 2 Seiten hat, schreibt man halt noch ein paar Texte bei Wikipedia ab, das gibt's ja auch umsonst. Das glauben Sie mir jetzt nicht, geschätzte Leser? Hier ein paar Beweise:
Ich nehme also die Ausgabe von gestern, dem 10. 11. 2005 und stelle fest: jeder einzelne Artikel ist Wort für Wort abgeschrieben. Das Porträt von Donna Leon setzt sich aus dem Wikipedia-Artikel über Donna Leon und einem Interview der ARD (sogar mit Quellenangabe) zusammen. Die Bilder dazu findet man leicht mit der Google-Bildsuche (hier und hier, was auch die etwas dürftige Bildqualität erklärt).
Für den Artikel über den Schmuckhersteller Tiffany wurden die Wikipedia-Einträge über Tiffany , "Frühstück bei Tiffany" und Sterlingsilber kopiert. Und auch der letzte Artikel über Natels besteht aus Wikipedia-Artikeln über das Natel und Handys (Abschnitt "Bezeichnungen"). Zwar ist das Abdrucken von Wikipedia-Texten nicht verboten, die journalistische Arbeitsweise ist aber zumindest fragwürdig.

Wenn man bei Wikipedia nichts Gescheites findet, wie zum Beispiel über Drew Barrymore, nimmt man halt das, was bei Google so kommt. Und schreibt das dann ab. Vergleichen Sie deshalb mal das da mit dem hier. Leider ist der abgeschriebene Artikel auf dem Stand von 2001 (ich hab da mal recherchiert: Drew Barrymore ist seit Oktober 2002 nicht mehr mit Tom Green verheiratet. Aber was sind schon 3 Jahre). Die Bilder kann man auch irgendwo im Internet suchen, sieht dann halt ein bisschen verpixelt aus. Aber das merkt ja keiner.
Oh, und irgendwo bildet man noch ein paar halbnackte Frauen ab. Das kommt immer gut an bei den Lesern.

Phantomadressen
Um mehr über den journalistischen Berufsethos und die gängigen Redaktionspraktiken bei Free TV zu erfahren, habe ich mich via Elektropost an die Redaktion gewandt. Mein freundlicher Brief lautete folgendermassen:

Liebe Free-TV-Redaktion,
Ich bin ein grosser Fan eurer Zeitung. Besondere Freude habe ich an den verpixelten Bildern und den Texten, die ihr bei Wikipedia abschreibt. Ich selber schreibe gerade einen Artikel für das ebenfalls ganz hervorragende Lismal-Magazin (www.lismal.ch) und hätte gerne irgendeine Stellungsnahme von euch. Zum Beispiel würde ich gerne wissen, wie ihr eure Themen auswählt. Klickt ihr da bei Wikipedia auf "zufälliger Artikel" oder denkt ihr euch das ganz alleine aus? Das fänd ich so vom journalistischen Standpunkt her gesehen nämlich klasse. Und wie findet ihr die Bilder? Einige davon habe ich nämlich mit der Google-Bildsuche gar nicht gefunden, deshalb würde ich gerne wissen, welche raffinierteren Methoden ihr dafür verwendet. Und haben sich die Quoten bei U1 seit es Free-TV gibt eigentlich verbessert? Wie stehen so die Marktanteile?

In diesem Sinne: weiter so!


Leider wird dieser Brief die Redaktion kaum erreichen, da die im Impressum der Zeitung angegebenen Mailadressen nicht existieren. Stattdessen habe ich mich an die Crossmedia-Promoter von U1 gewandt. Ich werde Sie, liebe Leser, natürlich über die weitere Entwicklung auf dem Laufenden halten.



Hinweis
Wir suchen noch Investoren, die uns dabei helfen, eine Print-Ausgabe von Lismal auf die Beine zu stellen. Damit möchten wir unsere Website bewerben und die Leute für dumm verkaufen. Wer interessiert ist, meldet sich bitte schleunigst.

Links:



"Porträt: Donna Leon" auf Seite 4. Immer sehr hilfreiche Seitenfüller sind übrigens Steckbriefe. "Tiffany: Synonym für Sterling Silber" auf Seite 12. Werbejournalismus vom allerfinsten. "Natel: Freundschaftstelefon" auf Seite 13. Interessanter Text, schöne Bilder. "Drew Barrymore: Das kleine E.T. Mädchen" auf Seite 2. Dahin gehört ein Bindestrich, verdammt. Habe ich übrigens schon erwähnt, wie sehr ich Steckbriefe liebe?
Nun, wir wissen auch nicht, was die halbnackte Frau mit ihrem Immunsystem zu tun hat. Hören Sie auf zu fragen und freuen Sie sich doch einfach darüber, dass sie da ist.
Verwandte Texte:
Lustiges aus 225 Jahren NZZ
Die Lismal-Presseschau (4)
Die Lismal-Presseschau (3)
20 Minuten revisited
Neuer Skandal bei "Music-Star"

Alle verwandten Texte anzeigen

Optionen: Text-Kommentare (18) | Text versenden | Text drucken | Permalink
In/Out
Bildschirmfoto des Anti-Mexikaner-Werbespots. Auf 20min.ch gratis anzuschauen. Im Kino sieht man das nachdem man den Eintritt schon bezahlt hat. 24.07.2007
VBZ: «Ich bin auch ein... Kinohit!»

Text: Pino Loricato


Vor einem Jahr musste sie ihr Mexikaner-Verbotsschild aus allen Trams entfernen wegen Diskriminierung. Daraus hat die VBZ nichts gelernt und hält an ihrem Rassismus fest. Laut «20 Minuten», dem neuen "kulturellen Leitbild" Zürichs, kommt jetzt ein Anti-Mexikaner-Werbespot in die Kinos. Was tun? Weiter..
In/Out
Wer ist denn hier neidisch? Sieht doch blöd aus. 01.05.2007
Neiddebatte und Zeitgeist

Text: Pino Loricato


Am ersten Mai geht die Unterschicht auf die Strasse und demonstriert für Gerechtigkeit, Solidarität und gegen zu hohe Managerlöhne. Letztere müssen aber immer hoch gehalten werden, das verstehen die bildungsfernen Proletarier leider nicht immer und machen ihrem Neid Luft, wenn sie die Reichen beschimpfen. Weiter..
In/Out
Der Künstler der Fotografie wollte eigentlich ein soziales Problem darstellen. 06.03.2007
D&G Style of Seebach

Text: Pino Loricato


Die beiden Stilisten Dolce und Gabbana sind nicht nur über alle Massen arrogant, sondern obendrein auch noch schlau. Mit ihrem neusten Werbeplakat thematisieren sie die Gruppenvergewaltigung von Seebach schon fast nach Bernie's Motto "Man kann nie gut genug aussehen... egal was man tut" und erreichen damit einen Skandal. Weiter..
In/Out
Ihre Kinder sind jetzt 13 und 14. Zeit, dass Sie sich zurücklehnen, damit andere ihre Erziehungsfehler ausbügeln können: Entspannen Sie sich und trinken Sie ein kühles Bier (oder zwei). 18.01.2007
Pimp my Child

Text: Nemo


Aktuelle Ereignisse wie Mehrfachvergewaltigungen oder Amokläufe an Schulen werfen immer wieder die Frage nach der richtigen Kindererziehung auf. Im Medienrummel geht aber meist vergessen, wer denn überhaupt für die Erziehung unserer Kinder verantwortlich ist. Lismal zeigt Eltern kurz und prägnant die aktuellen Trends in der Kindererziehung. Weiter..
In/Out
Das ist der Buchdeckel unserer grausigen Fälschung. 08.10.2006
Das Adam-Prinzip

Text: Pino Loricato


Es ist ein Buch erschienen, das die Frauenwelt erschüttert hat und doppelt unter Druck setzt. Das Eva-Prinzip. Frauen wissen jetzt nicht mehr, ob sie krampfhaft Karriere machen oder krampfhaft zurück an den Herd stehen sollen. Aber was ist mit dem Mann? Der muss ja auch endlich mal wissen, wo er hin gehört. Weiter..
In/Out
Zwei Salzgrüsel in Aktion. Auf der Strasse sieht man den ganzen Matsch, den sie hinterlassen. 10.03.2006
Die Salzgrüsel sind unterwegs

Text: Hukbald Klötzli


Der Winter bringt es mit sich, dass es schneit; zumindest manchmal. An vielen Orten wird das auch toleriert, soll er ruhig schneien, der Winter. Das kann ja ganz schön sein und sogar Wintersportler anlocken, die viel Geld mitbringen. Aber nicht in der Stadt. Hier bringt der Schnee keine Wintersportler mit viel Geld. Weiter..
In/Out
Neulich bei Coop: Ein kleiner grüner Junge schreit im Frühstücksflockenregal. Nichts passiert. 31.01.2006
Nicht kaufen mit Lismal: Pops

Text: Jürgen Brandstifter


Obwohl wir das Wort "Frühstückszerealien" für ein besonders hässliches halten, sind gerade diese eine Kernkompetenz von Lismal. Vor kurzem hat Ihnen an dieser Stelle Kollege Loricato leckere Frühstücksflocken aus der Migros ans Herz und den Magen gelegt. Damit jetzt niemand glaubt, wir wären voreingenommen oder berichten einseitig, zeigen wir Ihnen heute, was die Konkurrenz so zu bieten hat. Weiter..
In/Out
Paddy, der Pandabär. 12.01.2006
Kaufen mit Lismal: Paddy

Text: Pino Loricato


Im Januarloch gibt es nichts zu kaufen, obwohl in allen Läden Aktionsschilder in den Schaufenstern hängen, die unsereins dazu auffordern, von ihren Schnäppchen zu profitieren. Haben Sie schon zugegriffen? Vielleicht auch nicht. Wir jedenfalls haben etwas gefunden, das sich zu kaufen lohnt und überdies auch noch gut schmeckt. Weiter..
In/Out
Pfui, weg damit: Free TV. 10.11.2005
Du sollst nicht abschreiben

Text: Jürgen Brandstifter


Kennen Sie die Programmzeitung "Free TV", die neuerdings in Zürichs alten Metropol-Kästen aufliegt? Haben Sie sich schon mal gefragt, wer hinter dem ganzen Müll steht und all die Artikel schreibt? Medienexperte Brandstifter hat sich für Sie mit diesen Fragen beschäftigt und Skandalöses entdeckt. Weiter..
In/Out
ICH
12.10.2005
Der Sinn des (Party)-Lebens

Text: Zuzu

Gestern war ich mit ein paar Freunden in einem bekannten In-Club in Zürich. Ein lauer Spätsommerabend, wir tanzten, tranken und liessen Petrus weisse Flöcklein schneien. Wir fühlten uns als extrem gutaussehende, höchst eloquente Nobelpreisträger mit der sexuellen Anziehungskraft eines schwarzen Loches. Weiter..
In/Out
Zuzu
26.09.2005
Neue Kolumne -Das Leben der ZUZU

Text: Zuzu

Dies ist die Ankündigung einer neue Kolumne- einer neuen Ära- einer Person, die Ihr bis jetzt noch nicht gekannt habt:

ZUZU- weilt unter euch. Weiter..
In/Out
Früher nahm ein Schneider die Masse einer Person und schneiderte das Kleid. Mit der Modeindustrie hat sich die Schere umgedreht. Die Kleider kommen fertig und geschnipselt wird hauptsächlich noch am Leib.
16.07.2005
Mode ist Mord

Text: Pino Loricato

Da Prävention im Moment ausschliesslich gegen das Rauchen, gegen Raserei, Trinkerei und ungeschützten Geschlechtsverkehr zu laufen scheint, erzählen wir Ihnen, was sonst noch Spass macht, aber total ungesund ist. Es ist die Mode. Die Eitelkeit bringt uns alle noch ins Grab, lesen Sie warum. Weiter..
In/Out
Unsere Wirtschaft bricht zusammen. Genau. Und die Schriftsetzer sind heute auch nicht mehr das, was sie einmal waren.
04.05.2005
Club Q und die Zahl 5

Text: Pino Loricato

Die Discounterwelle der Lebensmittelgeschäfte ist auf die Partyveranstalter übergeschwappt. Das Palais X-Tra macht es schon seit Jahren vor, wie man Partygänger mit dem Gratiseintritt entzückt und mit teuren Getränken wieder verarscht. Nun steigt der Club Q in den Ring. Erfahren Sie wie! In Zürich gibt es viele verschiedene Clubs und Discos, und doch sind sie alle irgendwie gleich. Weiter..
In/Out
Wer will eigentlich sein wie die? Etwa Sie?
08.02.2005
Style of Lismal

Text: Nemo

Geneigter Lismal-Leser,
Werbung ist schön. Sie begegnet uns tagtäglich und beeinflusst unser Kaufverhalten. Manchmal ist sie aber auch nicht so schön, wie diese hier. Lesen Sie hier, warum Sie das neue SGH-D500 nicht brauchen sondern stattdessen unser exklusives LST-F2005 kaufen sollen. Vergessen Sie den Syle of Business - Leben Sie den Style of Lismal! Weiter..
In/Out
Wenn das Kostüm und der lustige Gesichtsausdruck erstmal sitzen, steigt die gute Stimmung wie von selbst ins Grenzenlose.
30.01.2005
Fast Nacht

Text: Jürgen Brandstifter

Wer in letzter Zeit versehentlich in den Genuss dessen gekommen ist, was der deutsche öffentlich-rechtliche Rundfunk unter Abendunterhaltung versteht, weiss es: Es ist Karnevalszeit! Oder, wie es bei uns noch viel schöner heisst: Fasnacht. Denn wer sich anschliessend brav an die katholische Fastenzeit hält, der darf davor gerne auch mal ein Fasnachtsküchlein mehr verdrücken. Weiter..
Weitere Texte

Weitere Texte im Archiv

Login



Live Search


Login
Username:

Passwort:

Autologin

Lismal.ch
Model werden
PWD vergessen
Hilfe
Onlinestatus

 

Besucher: 4
Models : 0
Unsichtbar: 0
Gesamt: 4


Dienste
Newsletter:

Anmelden
Abmelden


Weitere Dienste

Startseite
Favoriten

Lismal auf
Englisch
Französisch

Lismal Hauptseite
Lismal News
Lismal In Kürze
Lismal Kolumnen
Lismal Lisbola
Lismal Weltgeschehen
Lismal Hall of Shame
Lismal Wort zum Sonntag
Lismal Kultur
Lismal Events
Lismal Diverses
Lismal Archiv
Durchsuche unsere Text Datenbank
Beam me back
Lismal Leserbriefe
Lismal Impressum
Jeder kann mitmachen
Mosaic Creator
ECards
Infos über Lismal Models
Lismal Modelsearch
Model werden
Lismal Modelchat
Lismal Supermega Forum