VBZ: «Ich bin auch ein... Kinohit!»
Text: Pino Loricato
Datum: 24.07.2007 Aufrufe: 5367 Verschickt: 0
Vor einem Jahr musste sie ihr Mexikaner-Verbotsschild aus allen Trams entfernen wegen Diskriminierung. Daraus hat die VBZ nichts gelernt und hält an ihrem Rassismus fest. Laut «20 Minuten», dem neuen "kulturellen Leitbild" Zürichs, kommt jetzt ein Anti-Mexikaner-Werbespot in die Kinos. Was tun?
Ich bin auch ein Kinohit! Diesen Werbespot kann man auch im Internet schauen. Das können Sie auch tun, liebe Leserinnen und Leser, damit Sie wissen, wovon hier die Rede ist. Allerdings ist das nicht unbedingt nötig, denn das Filmlein ist schnell erzählt: Drei musizierende Mexikaner steigen ins Tram und trällern «La Cucaracha» im Zeitraffer, weil sie nur eine Station lang (300 Meter) Zeit haben, da die VBZ-Kontrolleure kommen könnten, die sie krass bestrafen, falls sie sich erwischen lassen.
In was für einem Land leben wir, in dem sich Musikanten fürchten müssen? La Cucaracha ist ein Mexikanisches Revolutionslied. Das passt in diesem Fall ganz gut. Verspottet wird hier der Mexikaner, ein Ausländer, der ein Revolutionslied spielt. Frage: Wer spottet hier am liebsten? Anders gefragt, wer lacht am vergnügtesten? - Der ordnungsbewusste, sanglose, rechte Schweizer. Kann das sein, dass dieser Typ die Mehrheit der Einwohner bildet in dieser biederen, kleinen Bankenstadt?
Die VBZ betreibt Werbung auf Plakaten, in Zeitungen, jetzt auch noch in den Kinos. Mit wessen Geld? Bezahlt man als teuer zahlender Kunde der VBZ auch diese sauglatten Werbekampagnen? Oder nimmt die VBZ das Geld durch die Werbeeinnahmen, dieser Werbungen, die verhindern, dass man nicht mehr werbefrei aus einem Tramfenster hinaus schauen kann? Oder sind es die Bussen, die vergessliche Kunden zahlen müssen, weil sie lediglich ihre Karte vergessen haben? Wird die VBZ auch von Steuergeldern finanziert, oder ist das nur ein Gerücht?
Erlaubt ist, was nicht stört. Was stört? - Diese hässlichen, lärmenden Ausländer!!! Die VBZ wirbt mit dem Triumph über die Strassenmusikanten, die sie aus den Trams vertrieben hat. Uns haben die nie gestört. Aber die meisten Zürcher in dem Falle schon. Ganz nach dem Motto «erlaubt ist, was nicht stört» wurden wohl die Musikanten verboten. Aber wenn man die Frage danach stellt, WAS stört, dann kommt uns eine Antwort spontan aus dem Bauch: Uns stört die allgegenwärtige VBZ-Werbung, die sich mit der SVP-Werbung gleich die Hand geben kann: Rassistisch, sauglatt, hohle Phrasen, und immer schimmert das stolze Grinsen des verkappten Faschisten hindurch. Die SVP und VBZ wirken zusammen so sympathisch wie Adolfo und Benito.
Was tun...
- wenn Sie keine Lust mehr haben, mit einer Bahn zu fahren, aus deren saubergeputzten Fenstern man nicht mehr ungestört schauen kann, weil Werbung dran klebt?
- wenn Sie keine Lust mehr haben, Kunde der VBZ zu sein, deren diskriminierende Werbung sie mitfinanzieren und ertragen müssen?
- wenn Sie keine Lust mehr haben, mit einer Bahn unterwegs zu sein, die regelmässig von einer dunkelblauen Schutzstaffel heimgesucht wird, die mit aller Nulltoleranz auch vergessliche Grossmütter zu hohen Bussen verdonnern?
- wenn es Ihnen verleidet ist, auf eine derart stillose Dienstleistung angewiesen zu sein?
Der Autor zieht in Erwägung, sich eine Vespa zu kaufen und empfiehlt: Umsteigen lohnt sich. Vielleicht nicht ökonomisch, aber vom Lebensgefühl her ganz bestimmt. Ausserdem boykottiert der Autor alle Kinos, die den Werbespot ausstrahlen und fordert Sie, liebe Leserinnen und Leser, höflichst dazu auf, es ihm gleich zu tun.
Boykott-Index Der Werbespot wird ausgestrahlt in den Arthouse-Kinos und im Kino am See, dem Orange Cinema. Die Kitag-Kinos (Corso, Abaton, etc.) strahlen den Werbespot nicht aus.