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Lisbola - In/Out
Heutige Weicheier lassen sich nur ungern hartkochen. Sie stehen bloss noch faul herum und essen sogar etwas - früher wäre sowas nicht passiert! Dafür gabs früher keine Quotenfrauen (Mitte).
Von Memmen und Männern
Text: Nemo Datum: 29.07.2003 Aufrufe: 1318 Verschickt: 0


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paradiesische Zustände beim Militär
Eine Kaserne ist ein wunderschöner Ort. Denn dort gibt es keine Probleme. Nur Herausforderungen. Aber diese werden militärisch-zackig-schnell gelöst. So geschehen bei den Drogenherausforderungen junger Rekruten, welche mit der Zaubeformel «Nulltoleranz!» erfolgreich bekämpft worden sind. Frei nach dem Motto: «Aus den Augen, aus dem Sinn».

Und die Menschen (nein, nicht die Männer, es gibt in der Schweizer Armee auch Quotenkaderfrauen) leben in der kleinen Kasernenwelt kameradschaftlich auf engstem Raum zusammen. Die Truppe ist nur so stark wie das schwächste Glied, das stärkt natürlich das Gemeinschaftsgefühl. (Ausgenommen dasjenige des schwächsten Glieds, aber: Was gut für die Allgemeinheit ist, ist auch gut für den Einzelnen!). Natürlich gilt es, diesen paradiesischen Ort zu (er)halten. Notfalls auch mit Brachialgewalt.

Weicheier werden in diesem Brutofen während 15 Wochen zu harten Kerlen gesotten.
Danach sind sie echte Männer, und nun bereit, auch in der Wirtschaft Kaderpositionen einzunehmen.

Vor zwei Jahren enthüllte jedoch die stärkste Zeitung der Schweiz eine weitere grosse Herausforderung: Viele Weicheier wollten sich gar nicht hartkochen lassen, sondern liessen sich einfach so ausmustern. Die Schweizerzeit (zwar nicht die stärkste Zeitung, aber immerhin ein rechtes Qualtitätsblatt) griff die Geschichte auf und zählte folgende Gründe für die Abwanderung der Rekruten auf:

  • gähnende Langeweile einer masslos verwöhnten und verweichlichten Generation
  • Flucht in Scheinwelten mit Drogen (!) und Events (!!!)
  • Ferien der Teenies in Indien (sehr bedenklich... kam von dort nicht auch das Weichei Mahatma Gandhi?)


Verblüffende Wendung
Doch erstens ist alles anders und zweitens als man denkt: Da auch ich zur Eiergeneration 80/81 gehöre, war ich unglaublich erleichtert, als der Tages Anzeiger diese Woche die wahren Schuldigen für die Misere fand: Die Armeeärzte und ihre lockere Handhabung bei der Ausmusterung. «Das sind Miltärärzte, die schreiben keine Gefälligkeitsgutachten», konterte prompt Armeechefarzt Gianpiero Lupi. Bloss: Wer je einem solchen «Militärarzt» auf der Krankenstation begegnet ist, bezweifelt diese Aussage.
Dem militärischen Kader scheint diese Praxis recht zu sein. Welcher Leutnant will sich schon mit störrischen Rekruten herumschlagen müssen?

Nun, den Bestand der Armee zu reduzieren, ist ein sinnvolles Unterfangen. Weniger sinnvoll ist jedoch die momentan angewendete Praxis. Denn gleichzeitig wird darauf bestanden, dass jeder, der anstelle des Militärdienstes freiwillig Zivildienst leisten möchte, immer noch eine Gewissensprüfung durchlaufen muss. Daneben dauert der Zivildienst 1.5mal so lange wie der Militärdienst. Die Begründung: Der Militärdienst sei nun mal um einiges härter als der Zivildienst. Das kann schon sein. Wenn aber ein Viertel aller Ausgehobenen untauglich geschrieben wird, dann macht diese Argumentation wenig Sinn. Dies sollte sogar die Armeeführung einsehen, welche die Lockerung des Zivildienstgesetzes vehement bekämpft hat.

Den erwähnten Blick - und Schweizerzeit Artikeln könnte man übrigens noch dieses Zitat hinzufügen:
"Die Jugend liebt heute den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt mehr vor älteren Leuten und diskutiert, wo sie arbeiten sollte. Die Jugend steht nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern und tyrannisieren die Lehrer." Es stammt vom bekannten griechischen Klatschkolumnisten Sokrates.

Nun, liebe Offiziere, Schulkommandanten und Zeitungsredaktoren, betrachtet die junge Generation doch einmal von einem etwas anderen Blickwinkel: Weshalb leisten denn immer mehr Jugendliche dennoch Zivildienst, obwohl das Wegkommen aus der Armee einfacher wird? Vielleicht sucht die heutige Jugend ja einfach nach einem Sinn bei dem, was sie tut? Vielleicht bietet das Militär diesen Leuten einfach zu wenig?
Vielleicht ist die heutige Jugend ja gar nicht so asozial eingestellt wie ihr das gerne hättet? Und vielleicht verachtet sie Autoritäten nicht mehr als sie das schon seit 2000 Jahren tut?

Anhang:
Langenscheidt präsentiert: Deutsch - Kaderwelsch für Anfänger:


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