Nicht kaufen mit Lismal: Pops
Text: Jürgen Brandstifter
Datum: 31.01.2006 Aufrufe: 1386 Verschickt: 0
Obwohl wir das Wort "Frühstückszerealien" für ein besonders hässliches halten, sind gerade diese eine Kernkompetenz von Lismal. Vor kurzem hat Ihnen an dieser Stelle Kollege Loricato leckere Frühstücksflocken aus der Migros ans Herz und den Magen gelegt. Damit jetzt niemand glaubt, wir wären voreingenommen oder berichten einseitig, zeigen wir Ihnen heute, was die Konkurrenz so zu bieten hat.
Paddy, die Frühstücksflocken der Migros, haben die Lismal-Jury für angewandtes Frühstück (LJAF) komplett überzeugt: tolle Verpackung, leckerer Geschmack, guter Preis. Sehen wir jetzt mal nach, was bei Coop im Regal steht. Erinnern Sie sich noch an „Corn-Pops“ von Kellogg’s? Die Maisbällchen mit der lustigen Biene vorne drauf? Ich weiss eigentlich gar nicht mehr, ob das wirklich eine Biene war, jedenfalls war da ein lustiges Werbetierchen auf der Packung, das ich in meiner idyllischen Kindheit beim Frühstück zu betrachten pflegte.
Nun, das lustige Tierchen ist weg. Kellogg’s hat die „Corn-Pops“ radikal verändert und dabei wirklich alles falsch gemacht, was man auch nur ansatzweise falsch machen kann. Die Corn-Pops heissen nun
Pops, was ein bisschen nach Furzgeräusch klingt, und genauso sehen sie jetzt auch aus. Die Dinger sind nicht mehr rund und goldgelb, sondern
unförmig und gelbrot. Und sie schmecken auch ganz beschissen, obwohl ich felsenfest davon überzeugt bin, dass die in meiner Kindheit wahnsinnig lecker waren.
Aber das alles, und auch der
Preis, interessiert uns eigentlich gar nicht so. Oberflächlich, wie sie nun mal ist, achtet die LJAF in ihren unterirdischen
Frühstücksflockentestlabors in erster Linie auf die Verpackung. Und auch da hat sich Kellogg’s ganz übel vertan, es ist uns ein Rätsel wie so was passieren konnte. Wir alle wissen: Auf die Kartonschachteln mit den Frühstücksflocken gehören niedliche kleine Werbetierchen mit grossen Kulleraugen. Und was machen die Jungs von Kellogg’s? Sie fotografieren einen dummen, hässlichen Bengel und weil das noch nicht genug ist, malen sie ihn dann noch dümmer und hässlicher an. Auf der
Packung ist also eine Schüssel Pops (wenigstens sehen die noch lecker goldgelb und kugelrund aus) und ein Junge, der sein Maul aufreisst, ein Pops isst und dann grün anläuft. Im Hintergrund schreien gemalte Flammen, die so ungefähr aussehen wie von Van Gogh aus der Schaffensphase kurz vor dem Ohr abschneiden, nach Aufmerksamkeit.
Was will uns dieses Bild sagen: Iss Pops und du wirst schreien und grün anlaufen? Aber wer will das? Oder sollen Pops gar nicht zum genussvollen Konsum verleiten, sondern als Drohung für die Eltern herhalten? So in etwa: „Sei brav, oder du kriegst morgen die hier zum Frühstück“. Jedenfalls muss die Marketingstrategie dahinter ungeheuer komplex oder aber, was sehr viel wahrscheinlicher ist, grenzenlos debil sein. Wenn wir der Verpackung Glauben schenken dürfen, machen Pops krank und hässlich. Die Dinger sind einem amerikanischen Waffenkonstruktionsareal entsprungen, wo den ganzen Tag Forscher in langen, weissen Kitteln mit Notizzetteln unter dem Arm auf und ab gehen und hinterhältige Boshaftigkeiten aushecken. Eigentlich sollten Pops als Alternative zu Senfgas in grossen Metallbehältern verpackt über Afgahnistan und dem Irak abgeworfen werden. Warum sie jetzt bei Coop im Regal stehen ist eine lange und verworrene Geschichte, die äusserst geheim ist. Ich erzähl sie euch später.
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